Totentanz allgemein

Als Totentanz bezeichnet man heute sehr viele Motive, die mit dem Tod in Zusammenhang stehen. Im engeren Sinne versteht man darunter jedoch eine aus dem Spätmittelalter hervorgegangene Darstellung, bei der Lebende und Tote entweder abwechselnd in Form eines Reigens oder paarweise ,tanzend' vorgeführt werden. Die Gattung ist bis heute in der bildenden Kunst, im Kunsthandwerk, in der Literatur, Film, Tanz, Theater und Musik gegenwärtig.
Die ältesten erhaltenen, bildlichen Zeugnisse lassen sich um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert datieren. Darunter gibt es noch heute einige Monumentalmalereien v.a. in Frankreich, Österreich, Italien, Deutschland und der Schweiz. Ihren Platz haben sie an Innen- oder Außenwänden von Kirchen, Beinhäusern, Karnern, Friedhofsmauern und Wohnhäusern. Der älteste bekannte, monumentale Totentanz Österreichs befindet sich in Metnitz/Kärnten (www).

Bei den mittelalterlichen bildlichen Zeugnissen nimmt zumeist unterhalb der überlebensgroßen Szenen ein Text in Versform auf die Bilder bzw. Standespersonen Bezug. Wie vor Gericht hält der Tod jedem Standesvertreter seine Verfehlungen im Leben vor. Geistliche und weltliche Standesvertreter sind zumeist in hierarchischer Folge abgebildet. Ein Prediger oder Autor erklärt zu Beginn und/oder am Ende des Reigens den Sinn der Mahnung. Die Bußpredigt fordert dazu auf, das Leben im Hinblick auf das Jüngste Gericht gottgefällig zu führen, um den (zweiten) Tod nicht fürchten zu müssen (vgl. Offb. 21,8: "Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner - ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein. Dies ist der zweite Tod"). Sehr häufig umgeben biblische oder christologische Themen die Monumentalmalereien. Ältere Buchausgaben finden sich zumeist in Sammelhandschriften, gedruckte Totentänze sind ebenfalls oft eingebettet in weitere erbauliche Texte.

Totentänze vermitteln zunächst religiöse Inhalte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts werden zunehmend auch profane, sprich politische oder gesellschaftskritische Aussagen gemacht. In diesem Sinne tritt der Tod in Rudolph Schellenbergs "Freund Heins Erscheinung in Holbeins Manier" (Winterthur 1785) zunächst mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Bezügen auf. 1815 erscheint Thomas Rowlandsons (www) "The English Dance of Death" als eine Satire auf die Kultur- und Sittengeschichte der englischen Gesellschaft. Unter dem Eindruck der Revolution entsteht schließlich der Zyklus "Ein Totentanz aus dem Jahre 1848" von Alfred Rethel (www). Auch im 20. und 21. Jahrhundert wird das Thema umgesetzt, wobei häufig mittelalterliche Zeugnisse rezipiert werden wie der Baseler Totentanz von HAP Grieshaber oder der Baseler und Lübecker Totentanz von Herwig Zens (www).

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