Der mittelalterliche Totentanz von Metnitz

 

Metnitz, Karner mit Totentanz

Südlich der Pfarrkirche St. Leonhard steht der Metnitzer Karner (Beinhaus). Der achteckige Bau trägt ein steiles Pyramidendach. Mit dem kleinen 5/8 Chor an der Ostseite, erreicht der Karner eine Gesamtlänge von ca. 11 Metern. Von seiner nördlich gelegenen Eingangstür ausgehend, zog sich ursprünglich nach rechts fortlaufend ein ungefähr 1,20 m hoher und ca. 50 m langer, heute nur noch fragmentarisch erhaltener Fries.
Er zeigte einerseits drei Figurengruppen: einen zu Papst, Kaiser und Kardinal predigenden Dominikaner, einen aufgerissenen Höllenrachen mit Teufeln und Verdammten sowie einen zum Volk sprechenden Franziskaner. Andererseits waren insgesamt 25 Figurenpaare, Standesvertreter mit Todesgestalten, zu sehen. Das Schweißtuch der Veronika im Scheitel des Portals ergänzte die Außendarstellung.
Für das Innere des Karners sind eine Weltgerichtsszene mit Christus in der Mandorla, Maria und Johannes überliefert, der Erzengel Michael als Seelenwäger sowie Posaunen spielende Engel.

1968/69 nahmen Spezialisten des österreichischen Bundesdenkmalamtes die am besten erhaltenen Fragmente vom Karner ab. Sie befinden sich nach sorgfältiger Restaurierung seit 1996 in einem kleinen Museum neben der Pfarrkirche. Die Gemeinde Metnitz ließ den Totentanz in Freskotechnik an der Außenwand rekonstruieren. Als Vorlagen wurden Kopien des 19. Jahrhunderts sowie das so genannte "Heidelberger Blockbuch" von 1465 genutzt. Das Metnitzer Beinhaus zeigt heute, wie zur Entstehungszeit der Bilder, folgende jeweils vom Tod begleitete Standesvertreter: Papst, Kaiser, Kaiserin, König, Kardinal, Patriarch, Erzbischof, Herzog, Bischof, Graf, Abt, Ritter, Jurist, Chorherr, Akademiker, Arzt, Edelmann, Edelfrau, Kaufmann, Nonne, Krüppel, Koch, Bauer, Kind und Mutter.

Viele Fragen zur Entstehung des Metnitzer Totentanzes sind noch unbeantwortet. Der Auftraggeber und der ausführende Künstler sind unbekannt. Auch seine Datierung bereitet weiterhin Schwierigkeiten, sie ist wohl mit ca. 1500 anzunehmen.

Gesichert hingegen ist die Verwendung von Graphiken als Vorlagen für die Fresken. Anhand des Vergleichs mit überlieferten Textbruchstücken und Bildern lässt sich hierfür das "Heidelberger Blockbuch" belegen. Vier der Totentanzpaare, Tod mit Nonne, Krüppel, Koch und Mutter, sind mit dessen Holzschnitten nahezu deckungsgleich. Zusätzliche Parallelen gibt es zum so genannten "Münchner Blockbuch". Insgesamt erinnert die Anlage damit an einen der wichtigsten Totentänze als indirekten Vorläufer: jenen von Basel.

Allerdings weist die Metnitzer Darstellung auch eigenständige Besonderheiten auf. So wurden unter anderem der Franziskaner als zweiter Prediger, der Akademiker als Standesvertreter sowie das Motiv des Höllenrachens eingeführt.

Weiterführende Literatur:
Hammerstein 1980
Koller 1986
Hammer 1994
Hammer 1995
Staunig 1996
Utzinger 1996
Sörries 1996
Sörries 1998
Hausner 1998
Schwab 2005

Hier geht's zur Bibliographie mit den genauen Literaturangaben.

Weiterführende Artikel im Internet (www)

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