Und stetig tanzt der Tod ... in Österreich
Totentänze und verwandte Bildthemen des 20. und 21. Jahrhunderts aus Österreich
Ausstellung vom 25.-28.10.2007
anlässlich des 13. Internationalen Totentanz-Kongresses in Metnitz/Kärnten


Eröffnung: Dr. des. Imke Lüders, Kiel
Donnerstag, 25.10.2007, ca. 19.15 Uhr
Festsaal des Gemeindehauses Metnitz
Marktplatz 4
9363 Metnitz
Österreich
Telefon: +43-4267-220- 23
info@totentanz-austria.at

 

 

Metnitz zählt zu den wichtigsten Orten für Totentanz-Interessierte in Europa.
Ende Oktober ist es für vier Tage die europäische Metropole!

Die österreichischen Künstler Herwig Zens (Wien), Gerald Brettschuh (Arnfels), Konrad Koller (Salzburg, † 2001), Johann Weyringer (Neumarkt am Wallersee) und Egon Guggenbichler (Salzburg) sowie Schulklassen des BG Lienz präsentieren aus diesem Anlass teilweise bekannte, teilweise unbekannte Werke zum Thema.

Wir laden Sie herzlich ein,
in Metnitz Gegenwart und Vergangenheit
einer aus dem Spätmittelalter hervorgegangenen Bild- und Kulturtradition
zu sehen, zu hören und mehr über sie zu erfahren!

 

Vorbemerkung
Die bildliche Darstellung des Totentanzes geht zurück bis in das Spätmittelalter. Bis heute hat der Tod in der Kunst nicht aufgehört zu ‚tanzen'.

Das Thema ist einfach:
Der Tod/Tote tanzt mit den Lebenden. Der Tod/Tote holt die Lebenden. Wie auch immer, so simpel der „Reigen“ in seiner Monotonie und Konstanz wirkt, so bleibt er dennoch unbegreifbar, geheimnisvoll, vielschichtig.

Das Thema betrifft jeden:
Im Totentanz tanzt der Tod/Tote mit den Lebenden, gleichgültig welcher gesellschaftlichen Angehörigkeit und gleichgültig welchen Alters: Papst, Kaiser, Kaiserin, Nonne, Mönch, Arzt, Bauer, junge oder alte Frau, Kind - alle tanzen diesen Reigen.

Das Thema konfrontiert:
Ob überlebensgroß oder en miniature, ob als Aufzug mit vielen Personen oder als ‚Extrakt' nur mit Tod und Mädchen: Mit einem Toten zu tanzen, mit der Imagination „Tod“ zu tanzen, die Vorstellung, wie der Tod eine Frau verführt - solche Bilder konfrontieren den Betrachter zunächst mit gemischten ästhetischen wie ethischen Gefühlen. Ohne religiösen Bezugsrahmen wird darüber hinaus die Absurdität menschlicher Existenz - Leben und nicht Leben - offenbar.

Das Thema gibt Hoffnung:
Im Spätmittelalter sollte der Totentanz den Betrachter an seine eigene Sterblichkeit erinnern und ihn auffordern, mit dem Gesetz Gottes zu leben, um beim Jüngsten Gericht zu bestehen. Wer ein „gottgefälliges“ Leben führt, muss den Tod, also das Ende des irdischen Lebens nicht fürchten, denn er wird im Himmel weiterleben. Diese Hoffnung zeigt sich auch in Bildern der Gegenwart.

Quickfinder

Die Ausstellung
In der Ausstellung sind die Arbeiten von fünf arrivierten österreichischen Künstlern sowie zahlreiche Arbeiten von Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren des Bundesgymnasiums Lienz zu sehen. Die Künstler unterscheiden sich also nicht nur in Ausbildung und Zeichentechnik, sondern auch in ihrer Lebenserfahrung und im Umgang mit dem Tod.

Zens Grazer Totentanz 1994  
Herwig Zens
Kleiner Grazer Totentanz (Tod und Edelfräulein), 1994
Öl und Acryl auf Leinwand, 70x100 cm
Privatbesitz
Foto: Zens 2002, in: Hausner/Schwab 2002 (Bibliographie)
    Herwig Zens

Prof. Mag. Herwig Zens, geboren 1943 in Hirnberg bei Wien, studierte von 1961-1967 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo er ein Diplom für Malerei und Lehramt erhielt. 1962 besuchte er die „Schule des Sehens“ von Oskar Kokoschka ( 1953-1963, † 1980) an der internationalen Sommerakademie in Salzburg. Von 1975 bis 2006 lehrte Zens selbst Kunsterziehung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, 1987 erhielt er die Professur. Zens lebt und arbeitet in Wien (www.zensherwig.at).

Herwig Zens gehört zu den wichtigsten Totentanz-Künstlern unserer Zeit. Neben zahlreichen anderen Einzelbildern und Bildgruppen in Graphik und Malerei zum Thema des Todes auch im weiteren Sinne, zeichnet den Künstler die Beschäftigung mit dem Totentanz aus.
Das Besondere an vielen seiner Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Zeugnissen des jeweiligen Sujets, die aus verschiedenen Epochen als Realie, Bild, Dichtung oder musikalische Komposition vorliegen. Herwig Zens paraphrasiert die verwendeten Vorlagen und gibt seinen Neuschöpfungen ein typisches Zens-Gepräge.
Seine wichtigsten Zyklen sind die Totentänze von Basel (1990) und Lübeck (2003) als „Rekonstruktionen“ nicht mehr erhaltener spätmittelalterlicher Totentänze. Dem erhaltenen, barocken Füssener Totentanz (1998) verlieh Zens in seiner Paraphrase leuchtende Farbigkeit. Der Künstler kreierte auch zwei Totentänze nach musikalischen Kompositionen. Entsprechend der Strophen des mitteldeutschen ‚Steyrischen Todtentanzes', den Sepp Spanner 1994 als Komponist musikalisch unterlegte, entstand in Zusammenarbeit der sog. Kleine Grazer Totentanz. 2001 präsentierte Herwig Zens einen zweiten Bildzyklus nach Hugo Distlers († 1942) Totentanz op. 12. Nr. 2 (1934) in Zusammenarbeit mit dem Arnold-Schönberg-Chor Wien. Eine monumentale Neuschöpfung mit Totentanzelementen ist sein wohl größtes Werk in der Friedhofskapelle des Architekten Helmut Sauters in Brunn am Gebirge , die im Jahr 2000 fertiggestellt wurde.
In der Ausstellung werden unter anderem die 11 Gemälde des Kleinen Grazer Totentanzes zu sehen sein.

 

Quickfinder  
Brettschuh Mureck 2004
Gerald Brettschuh
Totentanz, Ausschnitt: Greis, 2004
Aufbahrungskapelle Mureck
Fresco-Secco-Malerei, überlebensgroß
Foto: Imke Lüders
 
Gerald Brettschuh

Der Zeitgenosse von Herwig Zens wurde 1941 in Arnfels geboren. Von 1957 - 1961 absolvierte er eine Ausbildung an der Ortweinschule Graz, in der Fachschulklasse für Graphik Design. Anschließend studierte er an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien sowie an der Akademie der schönen Künste in Warschau.
Zunächst war Mag. art. Gerald Brettschuh als Grafiker und Illustrator in der Werbung und für Verlage tätig. Von 1970 bis 1976 ging er als Assistent an die Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Danach errichtete er ein eigenes Atelier im väterlichen Haus, wo er seitdem freischaffend arbeitet. 2000 dozierte Brettschuh an der Internationalen Hamburger Akademie "Pentiment".
Informationen zum Künstler unter www.kulturserver-graz.at.

Gerald Brettschuh ist vor allem mit zwei Totentänzen bekannt geworden. 2002 malte er ein großes Wandbild mit dem Titel "Ein Totentanz" in der Evangelischen Auferstehungskapelle St. Peter in Graz. 2004 versah er außerdem die Aufbahrungskapelle in Mureck mit seinen überlebensgroßen Figuren in Fresco-Secco-Malerei. Während in Graz der Reigen vom Tod angeführt wird, verteilen sich die Figuren in Mureck auf die Wände, ohne dass ein Reigen erkennbar wäre. Sinnfällig mischen sich Elemente des Todes, der Vanitas, Lebensalter und christliche Heilssymbole. In der Ausstellung werden erstmals einige der großformatigen Entwürfe Gerald Brettschuhs zu sehen sein.

Quickfinder  
 

Koller Totentanz 1991/92
Konrad Koller
Totentanz, 1991/92
Acryl auf Leinwand, ca. 100x100 cm
Privatbesitz
Foto: Eder 1996 (Bibliographie)

 

Konrad Koller

Konrad Koller wurde 1916 in Villach geboren. Der musisch veranlagte und erzogene Mediziner zeichnete und malte schon in seiner Kindheit. Durch seine Bekanntschaft mit Anton Kolig, Herbert Boeckl und Fernand Léger stieg sein Wunsch nach einer künstlerischen Betätigung, die er nach seiner Rückkehr aus der kurzen Kriegsgefangenschaft aufnahm. Sein umfangreiches Werk ist sehr vielschichtig. Die Auseinandersetzung mit Sexualität, Tod und Religion prägen seine Bilder ebenso wie seine inneren Kämpfe zwischen Beruf und künstlerischer Berufung, das Aufwachsen während der politischen Veränderungen und die Kriegserfahrung. Konrad Koller starb im Frühjahr 2001.
Weitere Informationen in der Werkmonographie von Franz Eder 1996 (Bibliographie).

Aus den Arbeiten Kollers sticht besonders der Totentanz hervor, dessen farbenfrohe und stark verkürzte, kindlich wirkende Protagonisten auf leuchtend rotem Grund dargestellt sind. Koller malte den Totentanz kurz vor einem folgenschweren Schlaganfall 1992. Die einzelnen Bilder des achtteiligen Zyklus befinden sich heute in verschiedenen (Privat-)Sammlungen. Zwei seiner ausdrucksstarken Gemälde werden wir in unserer Ausstellung zeigen können.


  

Quickfinder  
 
Weyringer Tod und Mädchen 2006
Johann Weyringer
Mädchen und Tod, 2006
Farbstift, Bleistift, Pastellkreide auf Papier, 70x100 cm
Besitz des Künstlers
Foto: Johann Weyringer
 

Johann Weyringer

Der vielseitig arbeitende Künstler wurde 1949 in Sighartstein bei Salzburg geboren. 1964-1970 erlernte er die Tischlerei und schloss die Ausbildung mit der Meisterprüfung. Anschließend nahm er ein Architekturstudium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien auf und führte sein Studium ab 1976 an der Akademie für bildende Künste in Wien bis zum Magister der Architektur 1978 fort. Weyringer lebt und arbeitet heute in Neumarkt am Wallersee (www.weyringer.com).

Neben Planungen von Wohn- und Geschäftsbauten widmet sich der Künstler vorrangig der Malerei, Zeichnung und Bildhauerei in sehr unterschiedlichen Dimensionen. Neben der Landschafts- und Naturdarstellung, ist die Darstellung des menschlichen Körpers eines seiner Hauptthemen. Zahlreiche seiner Bilder beschäftigen sich mit dem Motiv ‚Tod und Mädchen'.
Schon in den 1970er Jahren findet man in den Bildern Weyringers, meist ganz unscheinbar, den „Pirato“, wie er ihn nennt, einen kleinen Totentschädel mit Gebein. Vor der Eingangstür des Ateliers begrüßt er den Besucher allerdings sehr auffällig auf einer großen Steintafel. In der Ausstellung werden einige Bilder des Künstlers zum Thema Tod und Mädchen zu sehen sein.

Quickfinder  
 

Guggenbichler Mädchen und Tod 2006
Egon Guggenbichler
Totentanz I, Das Mädchen und der Tod, Titelblatt, 2006
Federzeichnung, 61x43 cm
Besitz des Künstlers
Foto: Egon Guggenbichler

 

 

Egon Guggenbichler

Der 1934 in Bischofshofen geborene Lehrer unterrichtete Biologie, Umweltkunde und Philosophie zwischen 1963 und 1971 in Felbertal, von 1971 bis zu seinem Ruhestand 1989 am Akademischen Gymnasium in Salzburg.

Guggenbichler widmete sich erst kurz vor seiner Pensionierung der Malerei. Neben Aquarellen und Federzeichnungen arbeitet er seit 1993 auch in Öl. Seine besonderen Interessen liegen in philosophischen sowie biblischen Themen, Landschafts- sowie Aktmalerei.
Neben der Apokalypse (1994/95) zeichnete Guggenbichler auch verschiedene Bilder zum Thema des Todes, das DIES IRAE (2007) und ein Hymnus vom Jüngsten Gericht (2007). Eine Auseinandersetzung mit dem Totentanz schlägt sich besonders in zwei größeren Zyklen nieder. So in dem 38 Federzeichnungen umfassenden Zyklus mit dem Titel „DER TOD HAT VIELE GESICHTER UND SCHLÄGT IMMER WIEDER ZU“ (2004) sowie den 14 Blättern „Das Mädchen und der Tod“, deren einzelne Bildtitel ein Gedicht ergeben. Letztere Arbeit stellt der Künstler für die Ausstellung zur Verfügung.

 

Quickfinder  
 
Schülerarbeiten Lienz Totentenbett
Schülerarbeit BG Lienz
Totenbett von Albin Egger-Lienz
Miniatur-Installation von mehr als 100 Kartonfiguren
Foto: Toni Fercher

 

Schülerarbeiten des Bundesgymnasiums Lienz

Seit 2005 lässt der Lienzer Kunsterzieher Anton Fercher seine Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 10 und 17 Jahren Arbeiten zum Thema Totentanz im weiteren Sinne gestalten. Ausgangspunkt ist das in sechs Versionen bekannte Gemälde „Totentanz“ von Albin Egger-Lienz († 1926), das mit den eigenen Ideen der Jugendlichen und ihre, durch die Medien geprägten, Vorstellungen zum Thema Tod und Krieg bildlich umgesetzt wird.
In Metnitz wird eine recht große und interessante Auswahl an gemalten, gezeichneten und gebastelten Objekten des Projektes "Totentanz" zu sehen sein.

Quickfinder  
 

Die Exponate sind während des 13. Internationalen Totentanz-Kongresses 2007 in unterschiedlichen Räumlichkeiten ausgestellt. Der Hauptteil der Arbeiten ist im Festsaal und Foyer des modernen Gemeindehauses zu sehen. Das Pfarrhaus verwandeln wir zu einem Präsentationsraum mit den Vorstellungen Jugendlicher vom Tod. Der mittelalterliche Karner kommt doppelt zur Geltung: Zum einen schmückt ihn die Kopie des im Museum verwahrten ältesten Totentanzfreskos Österreichs, zum anderen wird auch sein Innenraum zum Schauplatz des gemalten Todes. Zusätzlich zu den Exponaten besitzt Metnitz selbst vier Totentänze, die über den Kongress hinaus eine Reise wert sind.
Wir danken allen beteiligten Künstlern für ihr Interesse und ihr Engagement!

Konzeption: Dr. des. Imke Lüders, Kiel

Hier geht's zum kommentierten Programm des 13. Internationalen Totentanz-Kongresses

 

Seitenanfang

   Home     

© 2007-2010 Europäische Totentanzvereinigung, Danses Macabres d'Europe, Republik Österreich e. V.